Inklusion und Gemeinschaft

Gemeinsam leben

Zu einem nachbarschaftlichen Wohnprojekt gehört unseres Erachtens, dass niemand ausgegrenzt wird und ganz unterschiedliche Menschen eine Form des Miteinanders finden. Wünschenswert ist für uns ein Zusammenleben mit Menschen mit körperlicher Behinderung und anderen Beeinträchtigungen, die den Wunsch haben, eigenständig zu leben und auch mit entsprechenden Hilfen dazu in der Lage sind. Modelle nicht nur in den Niederlanden und in Dänemark, sondern auch in Deutschland zeigen, dass mit einer entsprechenden Betreuung ein gemeinsames Leben in einem Wohnprojekt gut möglich ist und für alle eine Bereicherung sein kann. Deshalb ist eines unserer formulierten Ziele die „Inklusion“.

Keine Überforderung

Uns ist wichtig, dass sich die Wohngruppe nicht mit der Betreuung überfordert, sondern dass es um eine offene freundschaftliche Nachbarschaft geht – weitergehende Unterstützung muss Sache der “Profis” bleiben. Deshalb steht unsere Initiative seit Beginn in der Diskussion mit sozialen Trägern (wie Lebenshilfe, Diakonie, Innere Mission) die entsprechende Angebote machen.

Verschiedene Modelle des Zusammenlebens

Bei schon bestehenden Projekten sind überwiegend zwei Modelle vorzufinden:

  1. Ein Wohnprojekt bildet eine Kooperation mit einem sozialen Träger. Der Träger baut oder finanziert einen eigenen Gebäudekomplex, der baulich z.B. über einen gemeinsamen Eingangsbereich oder die Außenanlagen in das Projekt integriert ist. Der Träger vergibt die Wohnungen eigenständig und gewährleistet die Betreuung.  Die Bewohner leben in einer Wohngruppe, aber in einem eigenständigen abgeschlossenen Bereich. Um die Betreuung gewährleisten zu können, wird die Wohngruppe aus Menschen mit ähnlichen Behinderungen zusammengestellt (z.B. Dementengruppe). Über gemeinsame Projekte und Freizeitaktivitäten lernen sich die Bewohner des Wohnprojekts und der betreuten Gruppe kennen und es wächst eine Gemeinsamkeit. Dieser Ansatz lässt sich mit dem Begriff der Integration bezeichnen.
  2. Ein Wohnprojekt achtet schon in der Planungsphase auf barrierefreie Zuwegungen zu den Gebäuden und Zugänge zu den Wohnungen; ein Fahrstuhl und Flure bzw. Laubengänge ohne Stufen verbinden alle Gebäude. Behinderte Menschen, bzw. Familien mit behinderten Kindern, die sich für das nachbarschaftliche Wohnen interessieren, können sich wie alle anderen auch bewerben. Das Projekt arbeitet in einer Kooperation mit sozialen Trägern, so dass man in gemeinsamen Gesprächen mit den Interessenten den besonderen Ausstattungsbedarf und dessen mögliche Finanzierung für die Wohnungen in der Planungsphase ermitteln kann; zusätzlich wird gemeinsam mit einem Berater der  Betreuungs- bzw. Pflegebedarf ermittelt und mit dem Betroffenen ein individuell praktikables Betreuungspaket festgelegt. Im Alltag leben im Wohnprojekt Menschen mit und ohne Behinderung „Tür an Tür“ und sind ganz normale Mitglieder des Projekts.

Gespräche mit sozialen Trägern

Längere Zeit hatten wir das erste Modell vor Augen, da es üblicher und für das Wohnprojekt zunächst einfacher schien. Dieses Modell war Ausgangspunkt für diverse Gespräche mit verschiedenen Trägern. Es stellte sich aber heraus, dass die finanzielle Absicherung seitens der Träger schwierig wird: entweder baut der Träger auf dem Gelände selber, oder die Initiative baut für den Träger mit, benötigt aber für die Investitionssicherheit einen sehr langfristigen Vertrag. Hier haben wir keinen Träger gefunden, der sich mit unserer Gruppe auf einen solchen Weg einlassen wollte.

So haben wir uns nun für das zweite Modell entschieden, bestärkt durch Fachleute die uns dargestellt haben, was alles an Pflege und Betreuung möglich ist, um Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am Gemeinschaftsleben zu ermöglichen ohne die Gruppe zu überlasten. Der trägerneutrale Pflegestützpunkt des Kreises Segeberg bietet an, in jedem Einzelfall individuell zu beraten. In Bramstedt selbst gibt es ein breites Angebot an ambulanter Unterstützung verschiedener Träger, z.B. die Diakonie Alt-Holstein.

Inklusion

Wir haben aber auch erfahren, dass sich die Bedürfnisse von Menschen mit körperlicher Behinderung und anderen Beeinträchtigungen geändert haben und das Interesse an einer „normalen“ Wohnung deutlich größer ist –  das entspricht auch den Erfahrungen von sozialen Trägern und dem Leitgedanken der Inklusion. Inklusion heißt, möglichst nicht den normalen Lebenskontext zu verlassen und in besonderen Einrichtungen zu leben. Dafür müssen allerdings die Alltagsrahmenbedingungen auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen, bzw. Familien mit behinderten Kindern, eingerichtet werden und diese je nach individueller Bedürftigkeit ambulante Hilfen durch Profis bekommen. Wohnungen mit größeren Radien ermöglichen Pflege zuhause. In den Wohnungen sind Vorrichtungen für einen Hausnotruf vorgesehen. Die Zugänge ins Haus, in die Wohnungen auf die Terrasse und in die Dusche sind barrierefrei angelegt.

Vergessen sollten wir auch nicht, dass jeder von uns durch Unfall, Krankheit oder Alter in die Lage kommen kann, wo er auf Hilfe angewiesen ist. Beruhigend, dass unser Projekt darauf eingerichtet sein wird – räumlich und personell.

 

 (Stand Juni 2013)